Aktuelle Bauentwicklung

Was ist bisher geschehen. Der Schanzenweg, wie er sich im Spätsommer 2012 für Besucher zeigt, mit einem Blick ins schöne Tal.01
Dreht man sich an selbiger Stelle um, so steht man vor einem Waldportal. 02

Von dort ist es nicht mehr weit, bis man, vom Parkplatz der Silvio Gesell Tagungsstätte kommend, über einen kleinen Pfad mit abgenutzter Holztreppe 03in die Senke der zukünftigen Wuppertaler Freilichtbühne gelangt. Am 4. Juli 2012 ist der Kreativwanderer Jonathan Ries auf den Asbruch gewandert und hat seither sein Kreativwandercamp direkt an der Bühne aufgeschlagen. 04 Das GesellSchaftKunst Projekt wartet bereits mit unterschiedlichsten Werken auf und läutet nun den Baubeginn für die zukünftige Wuppertaler Freilichtbühne ein.05  In der Senke wurde ein weiteres Lager eingerichtet. Abends saß man dort am Feuer und beriet, plante und philosophierte über Freiwirtschaft, die Transitiontown-Bewegung, Spiritualität, das Jahr 2012 und musizierte mit Ukulele, Djembe und Gitarre unterschiedlichste Lieder unter manch sternenreichem Nachthimmel.  06 Werkzeug wurde von Familie Bangemann von der Silvio Gesell Tagungsstätte zur Verfügung gestellt. Ein spontaner Baukreis wurde einberufen.  07    Stets war dieser magische Ort eine Quelle der Inspiration, der Natürlichkeit und Ruhe. Die Freilichtbühne macht etwas mit einem, was nicht in Worte zu fassen ist, wenn man sich mit ihr beschäftigt und dort lebt. 08  Man kann verschmelzen mit seiner Umgebung, sich in sie Einfügen, Teil von ihr werden. Die Spitzhacke war das Werkzeug der freiwirtschaftlich jugendbewegten Erbauer der Bühne in den 1930ern, so also auch 2012. Nun wurden Pläne skizziert. 11 Karsten und Jonathan waren sich einig, dass organische Formen, Prinzipien des Werdens, Fließens und der Vergänglichkeit die Silvio Gesell in der Wirtschaft von Wert waren,  nicht nur die Kunst im Zauberwald beleben sollte, sondern auch die neuen, kommenden Formen der Freilichtbühne. So wurde zunächst anhand der Bilder aus dem Archiv der Tagungsstätte eine Skizze angefertigt mit einer Draufsicht der Bühne wie sie zu ihrer ersten 12  Blüte in den 1930ern ausgesehen haben könnte. Es folgte eine weiter Skizze mit selbigem Gedanken für die zweite Blüte in den 1950ern (siehe geschichtlicher Teil).13 Diese gaben den Ausgangspunkt für weitere Überlegungen und Skizzen.14 Schlichte Lösungen waren nicht die beliebtesten, waren es aber Wert, sie zu erwägen. Karsten Behr kam die Idee von Sitzschalen anstatt von Rängen. Eine Skizze folgte.15 Jonathan kam der Gedanke von geschwungenen Rängen, die dem Gedanken des Fließens näher kamen. Diese Idee schien bei allen Beteiligten auf regen Zuspruch zu stoßen. Die Gedankenschmiede zur Ausformung der Bühne ist auch nach wie vor in vollem Gange und Ideen sind allerseits herzlich willkommen, denn hier handelt es sich um ein offenes Projekt. 16  Verspielte Formen, Asymmetrie, der hintere Bühnenbereich mit “Spiel-Plattformen” ähnlich einer Pilzgruppe wurden in den Ideenpool geworfen. Das Brainstorming war in vollem Gange. In die geschwungenen Ränge hinein könnten nun die Sitzschalen eingefügt werden.
Weitere Skizzen kamen:17  Große Spiralen im Grund. Die Werdens-und Vergänglichkeitsspiralen im Zusammenspiel. Im “Fließen” liegt ihr Gleichgewicht. Sitzschalen und Sitzränge im Wechselspiel, ein Feuerstellenkranz als natürliche Bühnenbeleuchtungen. Hier wurde mit Ideen von rational bis irrational, von pragmatisch über ästhetische bis hin zu utopisch experimentiert, alles war erlaubt, nichts musste, alles konnte und Hauptsache das Bauchgefühl stimmte. Die Skizzen waren noch keine Lösung, sondern lediglich eine Richtung, die die Bühne scheinbar von selbst einschlug, als hätte sich in den 80 Jahren ihres Bestehens dort ein Eigenwille entwickelt. So dienten alle Skizzen zunächst mal zur Orientierung. Vielleicht war die Richtung aus einer Mischung aus allen zu suchen?  18 Vielleicht kommen im richtigen Moment die richtigen Ideen, die richtigen Menschen, die richtigen Materialien und die richtigen Werkzeuge. Alles wird sich zeigen, fügen, ergeben. Das Projekt findet seinen Rhythmus.19  Peter Kirsch, ein Landschaftsgärtner aus Essen, der bei den Vereinssitzungen des Fördervereins für Natürliche Wirtschaftsordnung e.V. beteiligt ist, stellte seinen Kleinbagger zur Verfügung. Der Freilichtbühnenboden musste ausgeschachtet werden, um ein Drainagesystem anzulegen, das verhindert, dass sich die Senke in einen Badeteich bei starken Regenzeiten verwandelt. Karsten Behr begutachtete begeistert die Arbeit des Landschaftsgärtners.  20  Natürlich musste da ein wenig umgeräumt werden.21  Bedingt durch die Steilheit der Ränge, wurden die Baggeraushübe mit der Schubkarre auf den höchsten Rang geschafft. Martin und Manuel 22Bangemann, Jonathan Ries und weitere Helfer schritten kräftig zur Tat. 23  Da glühte schon mächtig der Bizeps.24 Im tiefsten Punkt des zukünftigen Drainagesystems wurde am 08. August 2013 ein symbolischer Grundstein gelegt. Dieser wurde von Jonathan Ries speziell zu diesem Anlass angefertigt. Auf dem Grundstein befinden sich drei Symbole:
1. Das Dreibalkenkreuz der Freiwirtschaftsbewegung (siehe geschichtlicher Teil)
2. Ein Zeichen für Spiel, Musik, Tanz und Darstellungskunst
3. Eine Spirale als Zeichen für Entwicklung und Dauerhaftigkeit.

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Nachdem die Bühne vermessen wurde,…

… konnte ein maßstabsgetreuer Plan angefertigt werden:

Die Ränge sollen mit Natursteinen befestigt werden. Ein Besuch bei den Natursteinbrüchen Oertelshofen erwies sich als sehr aufschlussreich. Besonders würden sich sogenannte Sitzsteine eignen:

Diese Steine haben in etwa die größe einer Parkbank ohne Lehne und eignen sich somit hervorrangend, um die Ränge der Freilichtbühne auszuformen.
Die Sitzsteine sollen auf einem Schotterbett schwimmen, so dass Regenwasser ungehindert bis in den Sickerbrunnen der Bühne gelangen kann, ohne dass das Erdreich unterm Stein unterspült wird.

So muss jede Stelle der Bühne unter die Lupe genommen werden, gewürdigt, geplant, bearbeitet und zu einem großen Ganzen gemacht werden. Bis dahin bleibt die Planung verspielt, offen und ohne Zeitdruck.

 

Der Herbst naht mit schnellen Schritten und genauso schnell sind schon die ersten Sitzsteine hier zu uns an die WFLB herangerollt.Denny Siegel der Brummifahrer hat mit seinem riesigen Sattelschlepper ca. 50 dieser ca. 500kg  Kawenzmänner  hier in einem abenteuerlichen Kipp- und Wendemanöver abgewälzt. Das machen an die 25 Tonnen Steingut.

WFLB Baufortschritt September 2013 004

Gleich dahinter ist der Drainageschotter aus den Oertelshofener Steinbrüchen gelandet, auf dem dann die Sitzsteine in der Bühne letztendlich verortet werden sollen.

WFLB Baufortschritt September 2013 001

Derzeit wird an den unteren beiden der insgesamt 7 geplanten Ränge gearbeitet. Dazu muss geschahlt und der Boden mit einem Stampfer verdichtet werden.

WFLB Baufortschritt September 2013 003

Miss, Mess und Messa, die drei Längenmaßen der Rangtiefen sind hier das Maß aller Dinge bei der Arbeit an den Rängen. Mit ihrer Hilfe lässt sich die jeweilige Rangtiefe je nach Rangabschnitt genau bestimmen.

WFLB Baufortschritt September 2013 002

Nach und nach zeigen sich die ersten Formen in der WFLB. Für das setzen der Steine wird schweres Gerät von Nöten sein. Die Baukosten sind in den Steinpatenschaften verrechnet. Wenn ca. 500 ganze Steinpatenschaften (150€) erreicht sind, steht die WFLB in vollem Glanze! Ein wackeres Ziel! Doch dieses Ziel diehnt einem höheren Zweck, der in der „Freilichtbühne der Freiwirtschaft“ seit über 80 Jahren unwiederbringlich verankert ist!

Am Samstag 26. Oktober  stand Baggerfahrer Giuseppe Rossini um 7 uhr Morgens in der Frühe bereit, um einen 10-stündigen „Baggermarathon“ in der WFLB zu beginnen. Er gönnte sich keine Pause, kein Mittagessen. Zuerst musste der Sickerbrunnenschacht fürs setzen der Sickerringe vorbereitet werden. Dafür muss erstmal ein riesiges Dankeschön seitens der Bauleitung an Brunnenbauingenieur Reinke erfolgen, der beim Bau der Bühne nicht nur ehrenamtlich beratend tätig ist, sondern darüber hinaus auch noch die Sickerbrunnenschachtringe spendiert hat.

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Die Höhe des Gullideckels musste auf die erste Rangebene einnivelliert werden, welches durch die waagerechte Maurerschnur im Bilde bewerkstelligt wurde. Von der Maurerschnur mussten 2.10m Tiefe ausgeschachtet werden, der Höhe der Sickerringe. Unten musste ein Waagerechtes Schotterbett gelegt werden, damit der „Turm“ nicht schief stand.

Schacht Sickerringe WFLB

Das eigentliche Sickerelement ist der unterste Ring, weil dieser gelöchert ist und somit die Sickerfunktion des Brunnens gegeben ist.

Sickerring

Mit speziellen Krallen hat Guiseppe jeden der Ringe einzeln eingepasst.

Sickerbrunnen

Nun kamen 40m³ faustgroßer Recyklingschotter. Bauingenieur Reinke sprach von 1,7t/m³ Schotter. Das entspricht etwa 68t Material, die Baggerfahrer Guiseppe nun rings um die Sickerbrunnenschachtringe verorten musste.

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Schaufel für Schaufel wurde die Senke der WFLB angefüllt. Nun sollte sich herrausstellen, ob die Menge auch richtig berechnet war.

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Mit jeder Schaufel wuchs die Spannung… und siehe es passte genau!

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Jetzt musste nur noch der Gullideckel drauf, welchen Guiseppe Rossini mit größter Sorgfalt platzierte. Es erfordert schon einiges an Geschick, mit einem 8 Tonnen Bagger diesen „Topf zu deckeln“.
Weiter ging der Baggermarathon. Jetzt hatte endlich die Stunde der heiß ersehnten Sitzsteine geschlagen. Jetzt wird es auch für alle Steinpaten interessant. Zunächst mussten ca. 25m³ Drainageschotter auf das gerade frisch verlegte Recyklingschotterbett des Sickerbrunnens gebaggert werden. Da musste Guiseppe bestimmt 10 bis 20 mal raus aus der WFLB und wieder hineinfahren, um die ca. 42t Schotter vom Materiallager der WFLB in die WFLB selbst hinunter zu transportieren. Dann wurde der erste Rang eingeschottert, worauf dann letztendlich die Sitzsteine platziert wurden.

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Und da hing der erste Sitzstein am „Schlupp“, wie es im Baujargon heißt. Stein für Stein wurde platziert. Es hatte ein bisschen was von Mauern. Mal musste ein bisschen Drainschicht weggenommen werden, mal ein bisschen hinzugefügt werden, da jeder Stein anders war.

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Für das Ende der ersten Reihe musste noch ordentlich Mutterboder bewegt werden, bis das Drainageschotterbett eingerichtet war.  Nach 10 Stunden pausenloser Arbeit war die erste Steinreihe fertig.

Insgesamt wurden am 26. Oktober 2013 ca. 150t Schotter, Stein und Erde in der Wuppertaler Freilichtbühne bewegt. Und da ist sie wieder nach 50 Jahren Erosion, die erste Sitzreihe der WFLB, aber diesmal aus Stein.

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Die Lücke im Steinhalbrund wird die Mündung der zukünftigen Zufahrtsrampe. Derzeit dient sie noch den Baumaschienen als Ein- und Ausfahrt. Nach Fertigstellung des Baus wird sie als Verladerampe für Veranstaltungstechnik dienen. Bis dahin wünscht der tragende Verein Freiwirtschaftlicher Jugendverband 1927 e.V. allen Lesern und allen aktuellen und zukünftigen Steinpaten einen schönen Herbst.

Mit freundlichen Grüßen, Euer Bauleiter Jonathan Ries

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Alles wahrhaft Große vollzieht sich durch langsames, unmerkliches Wachsen. (Seneca)

 

 

 

 

 

 

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