Rückblick zum ersten WFLB Sommercamp 2014

Es ist schon ein ganz besonderes Erlebnis einen Ort, der in Vergessenheit geraten ist Schritt für Schritt wiederbelebt zu sehen, besonders wenn das kulturelle und visionäre Erbe dieses Ortes von so tiefgreifender und zukunftsträchtiger Natur ist, wie es bei der Wuppertaler Freilichtbühne der Fall ist.

Das Sommercamp ist zusammen mit dem Steinpatenfest, welches zum Auftakt der Freilichtbühnensaison im Mai stattfindet, ein Ereignis, welches zu einem sehr langfristigen Aufwachprozess rund um dieses kulturelle und visionäre Erbe führen soll. Danach soll im besten Falle dieser Aufwachprozess nicht mehr enden, da dieses Erbe so tiefgreifend verändernd und umfangreich in fundamentalen Bereichen der Gesellschaft ist. Von daher ist es wichtig, dass ein solcher Auftakt entsprechend erfolgreich ist.

Da an dieser Stelle die Bilanz des ersten Sommercamps gezogen wird, kann sowohl von Betreiber- als auch von Teilnehmerseite bestätigt werden, dass es sich hier um genau den tiefgreifenden Erfolg gehandelt hat, der der Historie dieses Ortes entspricht und den die Historie dieses Ortes gefordert hat, als hätten die Ahnen dieses Ortes, die Wandervögel, die Freiwirte und Implosionstheoretiker der 1930er und 1950er Jahre das Geschehen selbst in der Hand gehabt. Was hat nun zu dieser Annahme geführt? Wenn man in den 1930er Jahren einen Wald rund um eine neu gebaute Freilichtbühne, einem Ort der Ideologien und Visionen anpflanzt, dann sehnt man sich als Erbauer dieser Dinge nach dem Tag, wo ein stattlicher Wald ein prächtiges Bühnenrund umfriedet, welches den Jahrhunderten trotzt und diese Visionen zuverlässig in diejenige ungewisse Zukunft transportiert in denen sie Realität werden.

Wie im Jahre 2012 durch das Gesell-Schaf(f)t-Kunst-Projekt, welches von Andreas Bangemann, Karsten Behr, Jonathan Ries und den Mitgliedern des Freiwirtschaftlichen Jugendverbandes 1927 e. V. der Wiederaufbau der Bühne geplant wurde, war seit den 1930ern bis 2012 in etwa 80 Jahren zumindest schon mal jener stattliche Wald entstanden, von denen die damaligen Gründer wohl geträumt haben mögen. Es fehlte nun nur noch das prächtige Bühnenrund, dass den Jahrhunderten trotzt. Mit der Idee der 500-800 kg schweren Sitzsteinquader aus Muschelkalk, der Steinpatenschaften und des Spielsaison eröffnenden Steinpatenfestes kam man diesem ganzen Traum nicht nur näher, sondern es war auch der Beginn einer Gesellschaft angeführt von den Steinpaten, die sich rund um die Freilichtbühne bildeten, die zu den lebendigen Trägern dieses Traumes wurden. Jetzt fehlte nur noch die Jugend, der dieser gesamte Traum im Grunde zu Füßen gelegt wurde, da die Jugend aus solchen Ideologien, Orten und Visionen ihre charakterbildende und zukunftsgestaltende Kraft ziehen kann. Gabriele Frenkings Schwiegervater, ein Mensch der viele Jahre mit der Freilichtbühne verbunden war schrieb hier einmal folgendes:

Dass hier die Freilichtbühne aus der Arbeit der Jugendlichen hervorging, ist das Verdienst unseres Max Fischer, der leider als in Russland verschollen gilt. Max Fischer in seiner zielbewussten, vorbildlichen Art, hat hier mit dem FJvD 1927 e.V. etwas einzigartiges geschaffen. Keiner von den damals interessierten hätte daran gedacht, dass sich aus dem zusammengefallenen Steinbruch derartiges herausarbeiten ließ.(…) Manchen Sonntagnachmittag habe ich oben auf dem Berge zugebracht, nie habe ich ein lautes Wort gehört, nie wurde kommandiert. Es war, als wenn es sich um etwas Selbstverständliches gehandelt hatte. Ich für meinen Teil habe für die Unterbringung der auswärtigen Jugend gesorgt und für das nötige Arbeitsgerät. Damals habe ich den Eindruck gewonnen, dass der freiwirtschaftliche Gedanke an sich schon veredelnd auf den jungen Menschen wirkte.“

Dieser so wichtige jugendliche Enthusiasmus wurde nach über 80 Jahren mit dem ersten WFLB Sommercamp in diesem Jahre 2014 in der Form wieder geweckt, dass er sich für alle Altersklassen eignet und soll nun jedes Jahr von Sommercamp zu Sommercamp gesteigert und weitergetragen werden. Die gesamte Veranstaltung wurde einem breiten und internationalen Publikum und Teilnehmerfeld geöffnet. Die Anreise erfolgte unter anderem aus den Niederlanden, aus Spanien, Frankreich und selbst aus China.Rückblick Sommercamp 2014 So war das damalige Arbeiten der Gründerzeiten Vorbild für dieses erste Sommercamp. Morgens traf man sich nach dem Frühstück um tatkräftig große Mengen Erde mit Spitzhacke, Schaufel und Schubkarre abzutragen und umzuschichten, um die Form für das Schotterbett des dritten Sitzsteinranges auszuheben.

Doch wie kam es zu all dem. Im März hatte man im Rahmen der spontanen Sitzungen des FJvDs den Beschluss zur Durchführung eines Sommercamps gefasst. Darauf folgten viele Gespräche, Vorbereitungen, Absprachen und Planungen, bis schließlich am Montag 04. August 2014, dem Anreisetag des Sommercamps alles begann. Mit dem Beginn des ersten Plenums, welches von da an für alle Sommercamp-Tage um 18:30 Uhr vor dem gemeinsamen Abendessen geplant war, startete ein gemeinsamer Tagesrück- und Vorblick, sowie ein Vorblick auf das gesamte Sommercamp-Wochenprogramm. Die Morgende waren allesamt, wie gehabt der Arbeit des Wiederaufbaus der Bühne gewidmet. Abgerundet wurden sie mit einem schmackhaften Mittagessen welches unter anderem durch geldlose Strukturen wie Foodsharing e. V. jeden Tag so zubereitet wurde, dass weitestgehend vegetarische, bzw. vegane Gerichte angeboten wurden. Die Nachmittage waren den Workshops gewidmet. Ein Theateratelier setzte sich zusammen aus den beiden Bewegungstheaterkünstlern Doro Roth und Jonathan Ries, sowie der Schauspielerin und Sängerin Isabell Katharina Sandig. Ab 16 Uhr wurde bis 18:30 Uhr am Varieté-Programm für den „Bunten Abend“ des Sommercamps  gearbeitet.

Der zweite große Sommercamp-Workshop war der Steinbildhauerei gewidmet. Die Steinbildhauerin Gabriele Kalb leitete den Workshop mit ihren umfangreichen Kenntnissen und Erfahrungen aus diesem künstlerischen Arbeitsfeld. Täglich ab 15 Uhr wurden verschiedene Steine mit unterschiedlichen Bildhauerwerkzeugen bearbeitet. Sandstein, Alabaster und Kalkstein stand u. A. zur Verfügung. Besonders erfreulich war die Bearbeitung einer der großen Muschelkalk-Sitzsteine, mit denen die Ränge der Bühne ausgekleidet werden, mit einem wunderschönen Motiv, dass gleichzeitig einen Sonnenauf- bzw. untergang vor einer Wolkenformation erkennen ließ, sowie ein großes den Betrachter anschauendes Auge gleichermaßen, welches die fleißige Teilnehmerin Anna Lutermann mit einem beachtlichen Gefühl für Proportionen und Geometrie in den Stein gebracht hatte.
Neben diesen beiden Wochen füllenden Workshopangeboten gab es einmalige Tagesworkshops. Am Dienstag Nachmittag gab es einen Workshop zu Onlinewährungen mit Andreas Bangemann, am Mittwoch wurde ein umfangreiches Bildungs-und Akademieprojekt in einem Workshop geleitet von Holger Krefft vorgestellt, der Workshop am Donnerstag wurde durch Michael Bonke gestaltet, der den Bau eines Solarkochers und einer Saatgutbox vermittelte. An diesem Donnerstag war der WDR-Wuppertal, vertreten durch die Journalistin Annette Hager und ihrem freundlichen Kamerateam beim Sommercamp zu Gast und hielt das Geschehen für die Lokalzeit des WDR Wuppertal fest. Die Ausstrahlung fand am Dienstag, den 12. August  in „Regionalzeit Bergisches Land“ statt.

Der Freitag und Samstag 08. und 09. August waren die Höhepunkte des Sommercamps. Der Freitag war ein allgemeiner Vernetzungstag, wo verschiedene Vereine und Organisationen gemeinsam an einen Tisch gebracht wurden um über gemeinsame Pläne und Entwicklungen zu sprechen. Schwerpunktmäßig waren die Regiogeldinitiativen Langenberg mit der Regiowährung Deilbachblüten und sowie eine ganz junge Wuppertaler Regiogeldinitiative rund um den erfahrenen Regiogeldexperten Marc Berghaus, der bereits bei der Entwicklung des Chiemgauers, der derzeit erfolgreichsten deutschen Regio-Währung maßgeblich beteiligt war. Bei diesem Vernetzungstreffen handelte es sich um eine wichtige Initiative um Impulse für die Zukunft der Regionalentwicklung im Bergischen Land zu setzen.

Der letzte Abend des Sommercamps stand unter dem künstlerischen Motto „Wupper-Taler, Du wirst wandern“, bei welchem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Freilichtbühne in einem Satz konzentriert waren. Doro Roth, Isabell Katharina Sandig und Jonathan Ries inszenierten in ihrem einwöchigen Theateratelier des Sommercamps den Auftakt zum Bunten Abend, in dem ein Bogen gespannt wurde, der von den Ideen der Wandervögel und Freiwirte der Gründerzeit bis in eine vielversprechende Zukunft hinein reichte. Nachdem der Kreisgesang des „von Hand zu Hand wandernden Wupper-Talers“ in der seit dem Wiederaufbau der WFLB bisher größten Runde zelebriert war, folgte eine Rede von Andreas Bangemann mit einer sehr positiven Bilanz zum ersten Sommercamp.

Der Auftakt war geglückt, das erste Sommercamp war ein voller Erfolg und wurde mit musikalischen Beiträgen der Familie Bangemann mit ihrem jüngsten Frontmann Nuri Amon Winter und der Spielraum Akkustikband aus Köln angeführt von Niklas Höfken intensiv untermalt!

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